Montag, 18. März 2013
AUS ALTEN LATEINBÜCHERN (2): EIN GERMANISCHES VOLKSTHING
Undique (Von allen Seiten) conveniunt Cherusci (kommen die Cherusker zusammen), et nobilissimi (sowohl die vornehmsten) et humillimi (als auch die niedrigsten), ut in sacerrimo dei bellorum luco (um im allerheiligsten Hain (=ein kleiner Wald) des Gottes der Kriege) concilium habeant (eine Versammlung abzuhalten). Sub alta arbore (Unter einem hohen Baum) sedes principum sunt (sind die Sitze der Führer=Häuptlinge). Inter eos (Unter diesen; ihnen) Arminius ab omnibus salutatur (wird Arminius von allen gegrüßt).-Silentium (Schweigen; Stille) a sacerdotibus imperatur (wird von den Priestern befohlen). Tum (Dann) unus ex nobilissimis (einer von den Vornehmen) "Iterum", inquit, ("Wiederum", sagte er) "adest exercitus Romanus ("ist ein römisches Heer da), cui Germanicus praeest (dem Germanicus vorsteht; das Germanicus befehligt). Pugnemus pro patria (Wir wollen für die Heimat kämpfen)! Etiam adulescentuli (Auch die Jünglinge) hodie armentur (sollen heute bewaffnet werden; sollen sich heute bewaffnen; reflexiv)! Moneo quoque (Ich mahne (euch) auch), ut (daß) dux fortissimus (ein sehr tapferer Anführer) creetur (gewählt wird;...einen überaus tapferen Führer zu wählen). Id (Dies) maxime est necessarium (ist besonders nötig)."-Omnes clamant (Alle rufen): "Nemo (Niemand) melior et magis idoneus est (ist besser und "mehr" geeignet=geeigneter) quam Arminius (als Arminius)." Maximo strepitu (Mit dem größten Lärm; mit sehr lautem Geklirre; Schlagen) armorum (der Waffen) gaudium omnium significatur (wird die Freude (Zustimmung) aller zu erkennen gegeben; angezeigt; kundgetan; bezeichnet).-Aduluscentuli (Die Jünglinge) armis ornantur (werden mit Waffen ausgerüstet; rüsten sich aus). Tum (Sodann) Arminius (A.): "Dux vester ero", ("Ich werde euer Führer sein") inquit (sagte er). "Sed (Aber) proditionis (des Verrats) accuso Segestem (klage ich den Segestes an), hominem pessimum (einen sehr schlechten Menschen; einen Erzschurken) et maxime nefarium (und einen besonders verbrecherischen; Obergauner). Coniuge enim (Der Gattin nämlich; abl. seperativus) me privavit (hat er mich beraubt) et clam (und heimlich) Romanis amicus est (ist er den Römern ein Freund; mit den R. befreundet). Sed Thusneldam (doch die Thusnelda) recuperabo (werde ich wiedererlangen;-gewinnen), etiamsi (auch wenn; selbst wenn) in densissimis silvis (in den dichtesten Wäldern; tiefsten) et in maxime arduis montibus (und auch in besonders steilen Bergen) eam occultabit (er diese/ sie verstecken wird; verbergen wird). Proditorem vos punietis (Ihr werdet den Verräter bestrafen). Tu autem (Du aber), domine huius luci (Herr dieses Hains=Waldes), nobis adsis (du mögest uns helfen; steh uns bei)!. Tum (Dann) facillimum erit (wird es sehr leicht sein; sozusagen ein Kinderspiel) hostes superare (die Feinde zu überwinden; besiegen)."---
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Das waren noch Zeiten! Da war der Mann noch frei, trug Waffen und konnte mit dem Schwert umgehen. Es gab da noch Platz für Heroismus, und Kampf bestimmte das Leben und Denken. Man dachte nicht so kompliziert und hatte ein klares Feindbild (Römer, der Schwiegervater Segestes; Verräter müssen dran glauben!). Als freier Mann nahm man sich sein Recht (in diesem Falle versucht Arminius, die Gattin zurückzubekommen).
Ich sage nur: Born too late!
Zwischen dem freien Krieger und dem heutigen Mensch in all seiner Verknechtung liegen Lichtjahre. Man denke nur an den Fabrik- oder Büroknecht (letzterer eine besonders unheroische Spezies!).
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Etiam aduluscentuli...: Früh übt sich! Dagegen ist die heutige Jugend völlig verweichlicht. Daher: Lernt Fechten! Infos dazu: youtube: murmillo1 (Fechten mit Hieb und Stich). Da könnt ihr sehen, wie das geht.
Thusnelda: Ob davon wohl "Tussi" kommt?
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LUDUS LATINUS, 1932! (s.u.)
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SIR R (Germane)
Dienstag, 12. März 2013
AUS ALTEN LATEINBÜCHERN (1): CASTELLUM SALABURGENSE (DIE SAALBURG):
(Der Text eignet sich für das 2. Lateinjahr)
Limite (Durch den Limes; durch eine Grenzanlage) Germani (die Germanen) ab imperio Romano (vom römischen Reich) seperabantur (wurden getrennt) neque catervae armatorum (auch nicht Truppen von Bewaffneten) traduci poterant (konnten hinübergeführt werden). Nam Romani (Denn die Römer) in illis regionibus (in jenen Regionen) multa castella collocaverant (hatten viele Lager errichtet). Cetera (Die übrigen) magnitudine (durch die/ seine Größe) antecedit (übertrifft) castellum Salaburgense (das Saalburgkastell). Eius reliquiae (Dessen Überreste; seine Überreste), quae (die) in monte Tauno (im "Taunusgebirge", im Taunus) supererant (übrig geblieben waren), nunc detectae (sind jetzt (in unserer Zeit, heute) aufgedeckt (entdeckt, ausgegraben) partimque renovatae sunt (und teilweise renoviert (erneuert, wieder instand gesetzt) worden. Spectate imaginem (Schaut euch das Bild an)! Compluribus vallis fossisque (Mit mehreren Wällen und Gräben; durch...) castellum confirmatur (wird das Kastell befestigt). Intra valla (Innerhalb der Wälle) erant domicilia militum (waren die Wohnungen der Soldaten). Ex iis (Von diesen) complura nunc sunt renovata (sind einige jetzt (heute) wiederhergestellt worden; wieder aufgebaut worden). Medio in castello (In der Mitte des Lagers) habitabat praefectus (wohnte der Präfekt) eius cohortis (dieser Kohorte), quae (die) in castello (im Lager) colllocata erat (untergebracht war; einquartiert war; die in dem Kastell lag). In castris (In dem Lager) arma multaeque aliae res (Waffen und andere Dinge; Gegenstände) inventae sunt (sind gefunden worden). Etiam extra castra (Auch außerhalb des Lagers) reliquiae nonnullorum aedificiorum (die Überreste einiger Gebäude) sunt detectae (sind entdeckt worden).-Sed iam pridem (Doch schon längst) cohors illa discessit (ist jene Kohorte weggegangen). Non iam (Nicht mehr) milites Romani (römische Soldaten) iis Germanis obstant (stehen diesen Germanen entgegen; leisten ihnen Widerstand), qui (die) ad castra accedunt (an das Lager herankommen; sich dem Lager nähern; näherten). Nam (Denn) a maioribus nostris (von unseren Vorfahren) devicti et propulsati sunt (sind sie völlig besiegt und zurückgeschlagen worden) illudque castellum (und jenes Kastell), quod (welches) supra descripsimus (wir oben beschrieben haben), circumventum (ist umzingelt), expugnatum (erobert), inflammatum est (und in Brand gesteckt worden).-
QUELLE: LUDUS LATINUS, Lateinisches Unterrichtswerk für Schulen mit grundständigem Unterricht, hrsg. v. Vizepräsident Lic. Dr. W. Hartke/ GehR. Dr. G. Michaelis, Lese-und Übungsbuch II für QUINTA verf. v. Fr. Wolf, OSTDir. in Gruben N.-L., siebente Auflage mit 36 Abbildungen und 5 Karten, Teubnerverlag, Leipzig und Berlin 1932, S. 7 f.
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GehR. heißt wohl "geheimer Rat(h)".
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Das Buch gehörte einstens Freimuth Scharlach. Am Rand der Lesestücke: Datumsangaben mit Bleistift. Bei Lesestück 7 b: 13. 7. 33. Wenn F. S. damals in der Quinta war, dann müßte er um 1922 geboren sein.
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Texte aus alten Lehrbüchern haben oft etwas naiv Erholendes an sich (vgl. naive Kunst). Sie "tun keinem weh" und bringen einen nicht unnötig ins Grübeln. Alles ist schon "long ago" und von einem Schleier der Romantik umgeben. Ferne Klänge aus uralten Zeiten sozusagen, um etwas poetisch zu werden.-
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Erec (geheimer Rath und SIR)
Donnerstag, 7. März 2013
GERMANICUS: DIE RACHEFELDZÜGE (1)
Truppenstärke der Römer am Rhein, Stand 14 n. Chr: 8 Legionen!
a) Obergermanien: 4 Legionen; LEGAT: GAIUS SILIUS
b) Untergermanien: 4 Legionen: LEGAT: AULUS CÄCINA
(4+4=8!)
Ungefähr 80 000 Mann!
Nachdem einige ruhige Jahre ins Land gezogen waren, war 14 n. Schluß mit Ruhe: In diesem Jahr erhielt nämlich GERMANICUS (voller Name: Gaius Iulius Caesar Germanicus; 15 v.-19 n.) den Oberbefehl am Rhein.
Quellen:
1.) TACITUS
2.) CASSIUS DIO
GERMANICUS hatte Frau und Kinder im Schlepptau. Die Frau hieß übrigens AGRIPPINA VIPSANIA (Tochter des M. Vipsanius Agrippa und der Iulia, Tochter des Augustus).
(Ihr Geburtsort war das Heerlager ARA UBIORUM. Dort wurde, um sie zu ehren, die COLONIA CLAUDIA ARA AGRIPPINENSIUM (=Köln) gegründet.)
Es gilt als gesichert, daß GERMANICUS sich mehrfach in VETERA aufhielt. Damals meuterten die V. und die XXI. LEGION (es ging um Sold und Veteranenentlassungen). Diese beiden Legionen hatten "kurze 15" mit ihren Offizieren gemacht. GERMANICUS eilte aus Gallien herbei und trat vor die Meuterer, wobei er mit seinem Leben spielte.
Die Soldateska wollte endlich kämpfen, und GERMANICUS tat ihnen den Gefallen, indem er einen netten kleinen Feldzug organisierte.
Spätsommer 14 n: GERMANICUS schlägt eine Brücke über den Rhein und zieht mit 12 000 Legionären, 26 Kohorten der Bundesgenossen und 8 Reiterabteilungen durch den sog. CÄSIAWALD gegen die MARSER (auf der rechten Seite der LUPIA=Lippe). Die MARSER feierten gerade eine Mitternachtsparty, als GERMANICUS sie überfiel (sehr tapfer!). Es folgten die üblichen "war atrocities": Männer, Weiber und Kinder wurden niedergehauen, das Land wurde 10 Meilen weit verwüstet.
(Die MARSER hätten weniger trinken, öfter ins Fechttraining gehen und Wachen aufstellen sollen!)
Doch die Germanen rappelten sich wieder hoch. Auf dem Rückmarsch wurde GERMANICUS beinahe abgeschnitten. Ein Ausfall der XX. LEGION verhinderte die Katastrophe!
Winter, 14 n: GERMANICUS befindet sich in VETERA
Frühjahr, 15 n: GERMANICUS in Mainz
Von dort wurde die nächste Kaffeefahrt gestartet. Diesmal ging es gegen die CHATTEN (Das sind übrigens meine Vorfahren (!), weswegen ich dies persönlich nehme! Leider konnte ich damals nicht dabei sein-ich war, sagen wir mal, verhindert.)
Gleichzeitig sollte der CÄCINA von VETERA aus losmarschieren, um die Germanen zwischen Lippe und Ems in Schach zu halten.
GERMANICUS zerstörte die chattische Hauptstadt MATTIUM und zog auf dem rechten Lahnufer (ob man da noch was findet?) nach Westfalen. Beide Heere trafen sich an der Lippe. Dann ging es zurück nach VETERA.
Unterdessen versetzte ARMINIUS das Cheruskerland in Aufruhr. Er tobte, weil man seine Gattin THUSNELDA (die hieß wirklich so; ob davon wohl das Wort "Tussi" kommt?) entführt und nach Rom geschleppt hatte.
Kaum war GERMANICUS in VETERA, mußte er auch schon wieder "vale!" zu seiner Frau sagen. Mit 4 Legionen marschierte er zur Ems. Wahrscheinlich fuhr er mit Schiffen von der Flevosee (heute Ijsselmeer) nach Friesland und an die Emsmündung.
(Es gab damals eine Verbindung zwischen Rhein und alter Ijssel, die "FOSSA DRUSIANA". Man glaubt heute, daß der "krumme Rijn" der Drususkanal ist!)
An der Ems traf GERMANICUS den CÄCINA und die Reiterei des PEDO. CÄCINA hatte 40 Kohorten die Lippe hinauf geschafft.
Von da aus marschierte man zum Schlachtfeld im Teutoburger Wald, wo VARUS 9 n. mit 3 Legionen unterging. Dort bestattete man die Reste der Toten, die überall herumlagen. (Den Römern war dabei sicherlich unheimlich zumute! Knochen einsammeln ist halt nicht jedermanns Sache.)
Wenig später legte ARMINIUS den Römern in einer sumpfigen Heide wieder mal einen Hinterhalt (s. meine posts "Die Ereignisse in Germanien..."!). Die Römer erlitten damals bei den "LANGEN BRÜCKEN" starke Verluste. Nur mit Mühe entgingen die Römer einer Katastrophe. Beinahe hätte es eine zweite "clades Variana" gegeben! Das unbesonnene Verhalten des INGUIOMER, des Onkels von ARMINIUS, rettete die Römer. Dieser griff gegen den Willen seines Neffen das römische Lager an. Traue keinem Onkel!
Ungefähr zeitgleich marschierte GERMANICUS an die Ems, wo Schiffe für den Weitertransport bereitlagen.
Mittlerweile hatten Schreckensnachrichten von den bösen Germanen das Lager bei BIRTEN erreicht. In haltloser Panik wollte man die Brücke bei VETERA einreißen. Hier kommt es nun zur Heldentat der AGRIPPINA. Sie riß das Oberkommando an sich und verhinderte durch ihren heroischen Einsatz die Wahnsinnstat. Schon damals (15 n.) gab es emanzipierte Frauen.
Als die Soldaten des CÄCINA schließlich in abgerissenem Zustand die Brücke erreichten, begrüßte sie AGRIPPINA, sprach ihnen gut zu, schenkte ihnen Kleidung und Verbände. Nett.
(An der Stelle der alten Römerbrücke hat man im 17. und 18. Jh. Pfähle und Balken entdeckt. Später hat man im ausgetrockneten Flußbett Reste von Grundpfeilern gefunden. Auch im alten Rheinbett am FÜRSTENBERG fand STEPHAN PIGIUS (1520-1603) solche Fundamente (Reste des alten Hafens von VETERA und von den Schiffswerften. Drusus ließ hier 12 v. eine Rheinflotte bauen, um seine Truppen von VETERA zur Ems zu bringen.)
AGRIPPINA machte sich unterdessen große Sorge um ihren Mann. Schlimme Gerüchte trafen tagtäglich ein. Doch GERMANICUS war schon mit den Schiffen im Anmarsch. Die II. und die XIV. LEGION hatten das Vergnügen, am Ufer entlang marschieren zu dürfen (Bewegung hält fit!).
Diese beiden Legionen waren durch eine Sturmflut arg gebeutelt (viele Tote, Verlust von Gepäck).
"GERMANICUS versuchte die erlittene Schlappe mit freundlicher und herablassender Gleichgültigkeit zu überspielen." Cool! (W. Böcking, S.69.)
Quelle: W. BÖCKING: "RÖMER AM NIEDERRHEIN", S. 66-72.
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The SIR
Mittwoch, 6. März 2013
XANTEN (5): DIE RÖMISCHE WACHT AM RHEIN: COLONIA ULPIA TRAIANA
Ab 120 n. lag die LEGIO XXX in XANTEN. Man fand sehr viele Ziegel, die aus den Ziegeleien des Heeres stammen sowie von einer Produktionsstätte jenseits des Rheins, die TRANSRHENANA genannt wurde (Standort laut W. Böcking noch nicht lokalisiert! Vermutung: Nähe Emmerich. Auch heute noch gibt es da viele Ziegeleien und Tonvorkommen.).
Man fand auch eine bretterverschalte Kalkgrube. Der Kalk wäre noch heute (man stelle sich vor: nach knapp 2000 Jahren !) verwendbar, wenn man ihn mit Wasser anrührt.
Es war also genug Material vorhanden, um eine Stadt zu bauen.
Der Stadtplan war einheitlich ("Schema F"). Die Limesstraße führte als CARDO MAXIMUS (Hauptstraße) durch die Stadt. Man versuchte sozusagen das Schema einer Mittelmeerstadt an den kalten Rhein zu verpflanzen. Die Einheimischen werden nicht schlecht gestaunt haben. Aber man gewöhnt sich ja an alles (mit der Zeit)! Es gab gleich mehrere Gründe, warum man so vorging:
1.) Städtebau war wichtig für die Ausbreitung des Imperium Romanum.
2.) Die Römer wollten es schön gemütlich (so wie daheim) haben. Nach dem Motto: Home, sweet home (!) bzw. My home is my castle!
3.) Man wollte seinen Leuten was bieten. Unzufriedene Siedler "schmeißen den Bettel hin" und reisen wieder ab oder, was noch schlimmer ist: sie proben den Aufstand. So läßt sich keine Provinz managen. Die Römer dachten langfristig! Man wollte ja ein Weilchen bleiben, im "schönen" Germanien. Also mußten Annehmlichkeiten her: Amphitheater, Bäder, Kneipen, Bordelle, Märkte, Sportmöglichkeiten, Bibliotheken (etwas weniger wichtig!), medizinische Versorgung etc. pp.
4.) Die Einheimischen sollten davon überzeugt werden, daß die römische Kultur besser ist als ihre eigene. Es sollte ihnen vor Augen geführt werden, daß die römischen Errungenschaften auch ihnen viele Vorteile bringen würden. Ob sie's kapiert haben, weiß ich nicht. Wahrscheinlich wird man sich mit den Römern arrangiert haben. Schließlich gab es bei denen ja auch was zu holen. Man konnte Geschäfte machen, Handel treiben, Leute übers Ohr hauen. Es gab da ganz tolle Sachen zu kaufen (Luxusgegenstände aller Art, z.B. Gläser, Spiegel, Schmuck, elegante Kleider etc.)
"So erhoben sich am NIEDERRHEIN zwischen dem ersten und dem zweiten nachchristlichen Jahrhundert die drei großen Städte COLONIA CLAUDIA ARA AGRIPINIENSIS / KÖLN, die COLONIA ULPIA TRAIANA/ XANTEN, und am nordwestlichen Zipfel unserer heutigen Grenze die ULPIA NOVIOMAGUS / NIJMEGEN-HOLLAND. Alle diese Städte sind keine Neugründungen, vielmehr waren ihnen Siedlungen kleineren Stils vorausgegangen, wie die Literatur und die Ausgrabungen beweisen."
W. BÖCKING: DIE RÖMER AM NIEDERRHEIN UND IN NORDDEUTSCHLAND, Frankf. u. Ludwigsburg 1974 (Societas-Verlag), S. 33.
(Werden nicht viel getaugt haben, diese Vorgängersiedlungen!)
Wie man weiß, bestatteten die Römer ihre Toten außerhalb der Städte entlang der Straßen. Die Gräberstraße der CUT war die Limesstraße südlich der Stadt. Das heutige XANTEN steht auf einem antiken Gräberfeld! Es gab einen Bereich für die Toten des Militärlagers VETERA und einen für Normalsterbliche (Zivilisten).
"Vom frühen Dorf der CUGERNER bis zum spätrömischen MÄRTYRERGRAB, von den Militärlagern im Süden bis zur zivilen römischen Stadt im Norden, wo immer man den Spaten ansetzt, hat der Xantener Boden die Spuren und Zeugnisse vergangenen Lebens für die Menschen unserer Tage bewahrt. Die archäologischen Funde erschließen uns Jahrhunderte einer großen Vergangenheit. Sie geben uns Kunde von dem pulsierenden Leben, das einst den Xantener Raum erfüllte, von einem Zentrum römischer Machtentfaltung, das weit ins germanische Gebiet jenseits des Rheins hineinwirkte.
Folgen wir in einer Exkursion den Niederschriften einstiger antiker Geschichtsschreiber und begleiten wir die Archäologen mit dem Spaten in dieses Reich der Vergangenheit, um herauszufinden, wie es einstens war. (...)"
W. BÖCKING, S. 33.
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Euer SIR
(Firma Education and Drill)
Freitag, 1. März 2013
QUELLEN ZUR CLADES VARIANA: ANNO 9 NACH
Die Quellenlage:
1.) griechische und römische Quellen:
MANILIUS
STRABO
VELLEIUS PATERCULUS
FLORUS
CASSIUS DIO
TACITUS
SUETON
1 GRABSTEIN
2.) germanische Quellen: Fehlanzeige! Die Germanen hatten es nicht so mit dem Schreiben! Kämpfen und hinterher Gelage abhalten war ihnen weitaus lieber (immer nach dem Motto: Lieber ein Krieger als ein Schreiberling!)
Die Quellen, die uns vorliegen, sind sehr unterschiedlich, einseitig und ungenau. Kaum jemand hatte exakte Kenntnis von Germanien. Ausnahmen bilden der Forschungsreisende POSEIDONIUS, TACITUS und VELLEIUS PATERCULUS. Letzterer war unter TIBERIUS lange in Germanien stationiert. Er wußte also, wovon er sprach.
ad MANILIUM: Dieser schrieb ein sicherlich ungenießbares astrologisches Lehrgedicht. Darin der folgende Satz:
"...so glühten damals, als nach Bruch des Bündnisses das wilde Germanien den Feldherren VARUS dahinraffte und mit dem Blute von drei Legionen die Gefilde rötete, überall in der ganzen Welt die drohenden Feuer. Die Natur...drohte das Ende der Dinge an..." (nach W. Capelle: Das alte Germanien)
(Der Mann macht einem Mut!)
ad STRABONEM: griech. Geograph, 63 v.-um 26 n., 17 Bücher über Geographie; Buch 7, Kap. 1,4 kurze Erwähnung der Varusschlacht. Dort erfahren wir außerdem, wo DRUSUS GERMANICUS starb (irgendwo zwischen Saale und Rhein):
"Es gibt auch einen Fluß Saale: zwischen ihm und dem Rhein starb DRUSUS GERMANICUS, wie er erfolgreich Krieg führte. Er unterwaf nicht nur die meisten dieser Völker, sondern auch die der Küste vorgelagerten Inseln, zu denen auch BYRCHANIS (=BORKUM) gehörte, das er erst nach Belagerung einnahm."
(Was gibt es auf Borkum schon groß zu belagern? Da war damals nix, und heute gibt es dort auch nicht viel.)
ad VELLEIUM: Reiteroffizier, der Mann war also "vom Fach", Bericht über die Schlacht, geschrieben 29 n., also 20 years later (überliefert in einer Handschrift aus dem Kloster Murbach/ Elsaß, tendenziös: Arminius kommt gut weg, Varus schlecht!
Über Arminius, den er persönlich kannte, schreibt er:
"...ein junger Mann, von vornehmer Abkunft, persönlicher Tapferkeit, rascher Auffassung und einer genialen Klugheit, die jenseits der Begabung eines Barbaren liegt...Er war ein ständiger Begleiter auf unserem früheren Feldzuge gewesen..."
ad FLORUM: LUCIUS ANNAEUS FLORUS, Abriß der röm. Geschichte um 120 n., als Quelle unzuverlässig bis ungeeignet
ad CASSIUM: voller Name: CASSIUS DIO COCCEIANUS, Historiker, 155n.-235n., röm. Geschichte in 80 Büchern (!), ausgehend von der Gründung Roms bis zum Jahr 229 n., wichtige Quelle für die Kaiserzeit!
ad TACITUM: complete name: PUBLIUS CORNELIUS TACITUS, um 55 n.-um 120 n., Leitsatz: SINE IRA ET STUDIO (=ohne Zorn und Parteilichkeit, d.h. objektiv, wissenschaftlich schreiben), gegen den er jedoch oft verstößt!
Züge des GERMANICUS: s. ANNALES I und II (s. auch meine posts/ Übersetzungen).
ad SUETONIUM: korrekt GAIUS SUETONIS TRANQUILLUS (=der Gleichmütige, der Coole!), um 75 n.-ca. 140 n., gehörte zum PLINIUSKREIS, weltfremd, gelehrt, redlich und wahrheitsliebend! Tolle Kombination!
zur Varusschlacht: Augustus-Biographie, 23; Tiberius-Biographie, 16 f. (Züge des Tiberius: 9-11 n.)
zum GRABSTEIN: der berühmte Grabstein des MARCUS CAELIUS (BONNER LANDESMUSEUM):
M. CAELIO T. F(ILIO) LEM(ONIA) BON(ONIA)/ (C(ENTURIONI) I) O(RDNIS) LEG(IONIS) XIIX ANN(ORUM) LIII S(EMISSIS) / (OC)CIDIT BELLO VARIANO. OSSA (I)NFERRE LICEBIT P. CAELIUS T. (F(ILIUS)) LEM(ONIA) FRATER FECIT.
(Dem Marcus Caelius, dem Sohn des Titus, aus der (Tribus) Lemonia, aus Bologna, Centurio 1. Ranges der 18. Legion, 53 1/2 Jahre alt, fiel in der Varianischen Schlacht. Die Gebeine (Knochen) können bestattet werden (wörtl.: es wird erlaubt sein, möglich sein die Knochen zu bestatten ("hineinzutragen", erg. ins Grab)).
Publius Caelius, Sohn des Titus, aus der (Tribus) Lemonia "machte dies" (d.h. er errichtete das Grabmal).
Bei dem Grabmal handelt es sich um ein sog. Scheingrab (Kenotaph). Zeitgenössisches und einziges steinernes Denkmal der Schlacht sowie eine der frühesten fast genau datierbaren Inscriptiones in Germanien.
M. CAELIUS war Anführer der 1. KOHORTE oder einer anderen. "Vitis" als Rangabzeichen des Centurio. Möglicherweise war sein Rang auch "triarius ordo", somit wäre er Anführer einer Veteraneneinheit gewesen. Er war ja nicht mehr der Jüngste!- Die LEGIO war in VETERA stationiert und ging zusammen mit der XVII und XIX LEGION unter.
Auf dem Grabstein sieht man außerdem noch die Portraits seiner Freigelassenen PRIVATUS und THIAMINUS (Privatus ist der zur Rechten der Marcus-der mit den Segelohren!). Beide Knechte hatten das zweifelhafte Vergnügen, nach ihrem Ableben im Grab des Patrons bestattet zu werden. Das ist doch was!
---
The SIR
Die Quellenlage:
1.) griechische und römische Quellen:
MANILIUS
STRABO
VELLEIUS PATERCULUS
FLORUS
CASSIUS DIO
TACITUS
SUETON
1 GRABSTEIN
2.) germanische Quellen: Fehlanzeige! Die Germanen hatten es nicht so mit dem Schreiben! Kämpfen und hinterher Gelage abhalten war ihnen weitaus lieber (immer nach dem Motto: Lieber ein Krieger als ein Schreiberling!)
Die Quellen, die uns vorliegen, sind sehr unterschiedlich, einseitig und ungenau. Kaum jemand hatte exakte Kenntnis von Germanien. Ausnahmen bilden der Forschungsreisende POSEIDONIUS, TACITUS und VELLEIUS PATERCULUS. Letzterer war unter TIBERIUS lange in Germanien stationiert. Er wußte also, wovon er sprach.
ad MANILIUM: Dieser schrieb ein sicherlich ungenießbares astrologisches Lehrgedicht. Darin der folgende Satz:
"...so glühten damals, als nach Bruch des Bündnisses das wilde Germanien den Feldherren VARUS dahinraffte und mit dem Blute von drei Legionen die Gefilde rötete, überall in der ganzen Welt die drohenden Feuer. Die Natur...drohte das Ende der Dinge an..." (nach W. Capelle: Das alte Germanien)
(Der Mann macht einem Mut!)
ad STRABONEM: griech. Geograph, 63 v.-um 26 n., 17 Bücher über Geographie; Buch 7, Kap. 1,4 kurze Erwähnung der Varusschlacht. Dort erfahren wir außerdem, wo DRUSUS GERMANICUS starb (irgendwo zwischen Saale und Rhein):
"Es gibt auch einen Fluß Saale: zwischen ihm und dem Rhein starb DRUSUS GERMANICUS, wie er erfolgreich Krieg führte. Er unterwaf nicht nur die meisten dieser Völker, sondern auch die der Küste vorgelagerten Inseln, zu denen auch BYRCHANIS (=BORKUM) gehörte, das er erst nach Belagerung einnahm."
(Was gibt es auf Borkum schon groß zu belagern? Da war damals nix, und heute gibt es dort auch nicht viel.)
ad VELLEIUM: Reiteroffizier, der Mann war also "vom Fach", Bericht über die Schlacht, geschrieben 29 n., also 20 years later (überliefert in einer Handschrift aus dem Kloster Murbach/ Elsaß, tendenziös: Arminius kommt gut weg, Varus schlecht!
Über Arminius, den er persönlich kannte, schreibt er:
"...ein junger Mann, von vornehmer Abkunft, persönlicher Tapferkeit, rascher Auffassung und einer genialen Klugheit, die jenseits der Begabung eines Barbaren liegt...Er war ein ständiger Begleiter auf unserem früheren Feldzuge gewesen..."
ad FLORUM: LUCIUS ANNAEUS FLORUS, Abriß der röm. Geschichte um 120 n., als Quelle unzuverlässig bis ungeeignet
ad CASSIUM: voller Name: CASSIUS DIO COCCEIANUS, Historiker, 155n.-235n., röm. Geschichte in 80 Büchern (!), ausgehend von der Gründung Roms bis zum Jahr 229 n., wichtige Quelle für die Kaiserzeit!
ad TACITUM: complete name: PUBLIUS CORNELIUS TACITUS, um 55 n.-um 120 n., Leitsatz: SINE IRA ET STUDIO (=ohne Zorn und Parteilichkeit, d.h. objektiv, wissenschaftlich schreiben), gegen den er jedoch oft verstößt!
Züge des GERMANICUS: s. ANNALES I und II (s. auch meine posts/ Übersetzungen).
ad SUETONIUM: korrekt GAIUS SUETONIS TRANQUILLUS (=der Gleichmütige, der Coole!), um 75 n.-ca. 140 n., gehörte zum PLINIUSKREIS, weltfremd, gelehrt, redlich und wahrheitsliebend! Tolle Kombination!
zur Varusschlacht: Augustus-Biographie, 23; Tiberius-Biographie, 16 f. (Züge des Tiberius: 9-11 n.)
zum GRABSTEIN: der berühmte Grabstein des MARCUS CAELIUS (BONNER LANDESMUSEUM):
M. CAELIO T. F(ILIO) LEM(ONIA) BON(ONIA)/ (C(ENTURIONI) I) O(RDNIS) LEG(IONIS) XIIX ANN(ORUM) LIII S(EMISSIS) / (OC)CIDIT BELLO VARIANO. OSSA (I)NFERRE LICEBIT P. CAELIUS T. (F(ILIUS)) LEM(ONIA) FRATER FECIT.
(Dem Marcus Caelius, dem Sohn des Titus, aus der (Tribus) Lemonia, aus Bologna, Centurio 1. Ranges der 18. Legion, 53 1/2 Jahre alt, fiel in der Varianischen Schlacht. Die Gebeine (Knochen) können bestattet werden (wörtl.: es wird erlaubt sein, möglich sein die Knochen zu bestatten ("hineinzutragen", erg. ins Grab)).
Publius Caelius, Sohn des Titus, aus der (Tribus) Lemonia "machte dies" (d.h. er errichtete das Grabmal).
Bei dem Grabmal handelt es sich um ein sog. Scheingrab (Kenotaph). Zeitgenössisches und einziges steinernes Denkmal der Schlacht sowie eine der frühesten fast genau datierbaren Inscriptiones in Germanien.
M. CAELIUS war Anführer der 1. KOHORTE oder einer anderen. "Vitis" als Rangabzeichen des Centurio. Möglicherweise war sein Rang auch "triarius ordo", somit wäre er Anführer einer Veteraneneinheit gewesen. Er war ja nicht mehr der Jüngste!- Die LEGIO war in VETERA stationiert und ging zusammen mit der XVII und XIX LEGION unter.
Auf dem Grabstein sieht man außerdem noch die Portraits seiner Freigelassenen PRIVATUS und THIAMINUS (Privatus ist der zur Rechten der Marcus-der mit den Segelohren!). Beide Knechte hatten das zweifelhafte Vergnügen, nach ihrem Ableben im Grab des Patrons bestattet zu werden. Das ist doch was!
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The SIR
Mittwoch, 27. Februar 2013
DIE WEITEREN EREIGNISSE IN GERMANIEN (1): TACITUS: AB EXCESSU DIVI AUGUSTI I, 70
(zweiter Germanienfeldzug des GERMANICUS, Kap. 55-71, anno 15 n.)
Quid novi in Germania? Wie ging es weiter? Nachdem sich die 4 Legionen mühsam (mit Ach und Krach=aegerrime; adv. Superlativ) aus dem versumpften Wiesental herausgearbeitet (besser wäre"-gewurschtelt") hatten (s.o.)-es ging gerade noch einmal gut!-, wendet sich TACITUS nun wieder dem GERMANICUS zu, der an der Nordsee "Urlaub" machte:
At Germanicus (Doch Germanicus) legionum (der Legionen, von den Legionen), quas (die) navibus (mit Schiffen) vexerat (er transportiert hatte, befördert hatte; von "vehere, vexi, vectum"), secundam et quartam decimam (die 2. und die 14.) itinere terrestri (auf dem Landweg, auf einem Marsch zu Lande; endlos, das ist der Marsch!) P. Vitellio (dem P. Vitellius) ducendas tradit ("als zu führende übergab er sie"; er übergab sie ihm, um sie zu führen; damit er sie zu Land führe; Gerundiv; hier: final), quo (=ut eo=damit dadurch; wodurch) levior (leichter) classis (die Flotte) vadoso mari (auf dem seichten Meer; gemeint ist das Wattenmeer) innaret ("hineinschwamm"; also das Wattenmeer durchfuhr; keine gute Idee!) vel reciproco sideret (oder "auf dem Hin-und Zurückfließenden"=bei Ebbe und Flut "sich setzte"=auf Grund lief; besonders tragisch, da es keine Werkstatt um die Ecke herum gab! Auch kein ADAC!). Vitellius (V.) primum (zuerst) iter (einen Marsch; Weg) sicca humo (auf trockenem Boden) aut modice adlabente aestu (oder bei mäßig "herangleitender"; heranfließender; anschwellender (Goldmann) Flut) quietum habuit (er hatte einen ruhigen; bezogen auf Weg; konnte eine ruhige Kugel schieben!); mox (bald, dann) impulsu aquilonis (durch den "Anstoß", durch den Ansturm des Nordwindes; der Nordsturm; aquilus=der Verdunkelnde!), simul sidere aequinoctii (zugleich auch zu der Jahreszeit der Tag-und Nachtgleiche; also im Herbst, wo es langsam ungemütlich wird), quo (an welcher) maxime tumescit Oceanus (der Ozean (das äußere Meer im Gegensatz zu "mare") besonders (am meisten; am stärksten, Goldmann) ansteigt (anschwillt), rapi agique agmen (wurde der Heereszug; das Heer zerrissen; auseinandergerissen, Goldmann; und hin-und hergetrieben; herumgeworfen; historische Infinitive im Passiv). Et opplebantur terrae (Und die Länder wurden "angefüllt"; das Land wurde überschwemmt; die Welt versank in den Fluten und im Chaos): eadem (dasselbe) freto litori campis (dem Meer, Strand, den Feldern) facies (Aussehen; alles bot denselben Anblick), neque discerni poterant (und sie konnten nicht unterschieden werden) incerta ab solidis (unsichere Stellen von den festen), brevia a profundis (seichte, nicht so tiefe, flache von tiefen).---
Dazu-wie immer-v. TIPPELSKIRCH:
"Während die Legionen des CÄCINA an den LANGEN BRÜCKEN um ihr Leben kämpften, zog das OBERE HEER nach Norden, ohne auf den Feind zu stoßen.
GERMANICUS selbst war mit zwei Legionen an Bord der Schiffe gegangen. Die beiden anderen Legionen-die II. und die XIV.-hatte er unter das Kommando des PUBLIUS VITELLIUS gestellt und diesem LEGATEN den Auftrag gegeben, durchs Land der Friesen, also entlang der Küste, zurück zum Rhein zu marschieren. Wahrscheinlich ging der Marsch dieser Truppe zunächst entlang dem Ostufer der Ems...Zu Anfang des Marsches war das Wetter noch warm und sonnig. Dann aber zogen hohe Wolkenschleier auf. Am folgenden Morgen färbte ein drohendes, brandiges Morgenrot den Himmel. Gegen Mittag stiegen jenseits des Flusses schwere Wolkengebirge über den Horizont. Eine knisternde Spannung lag in der Luft. Das alles waren Zeichen, welche die als Führer dienenden Chauken und Chamaven den Römern sehr wohl zu deuten wußten.
"THOR hat seine Stiere eingespannt! Noch vor Sonnenuntergang werden wir die Räder seines Wagens dröhnen hören!"
Das Sonnenlicht wurde trübe. Immer höher stiegen im Westen die Wolkenberge empor. Manchmal zuckte nun schon ein fahler Lichtschimmer darunter hin. Dann griffen lange Schattenfinger über den Fluß. Als aber der Saum der Wolken über den Marschierenden stand, fielen die ersten Böen ein. Ein dumpfes Poltern schallte herüber.
"Das ist er! Das sind die Räder seines Wagens!"
Es wurde dunkel. Dann aber wurde es für Augenblicke blendend hell-ein kilometerlanger Blitz fuhr quer über den Himmel. Schmetternd folgte der Donner. THOR, der Wetter-und Sturmgott der Germanen, hatte mit seinem Hammer MJÖLNIR zum ersten Male zugeschlagen.
Es war der Auftakt zu einem Inferno. Zuerst Blitz auf Blitz-dann Regen und Sturm--aber das war noch immer nicht das Schlimmste! Der Heerzug des VITELLIUS war ja inzwischen der Küste schon nahe gekommen. Und in der Weite des Nordmeeres ballte sich das Verderben zusammen. Vom Sturm getrieben, brach die Flut mit besonderer Heftigkeit über die Küste und in die Mündungen der Flüsse herein. (...) in dem Inferno, in dem man nicht sagen konnte, wo das Meer endete und das Land begann! Wie sollte man erkennen, wo unter der Flut der Boden war? Wo sollte man sich festklammern, wenn die Wellen heranstürmten?
Die schweren Rüstungen zerrten die Soldaten in die Strudel. Gepäck, tote Pferde, menschliche Leichen trieben daher.---
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Der reinste Wetterbericht!
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THOR, the hammer!
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Welcome in Germany!
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das Wort "terra" heißt eigentlich "das Trockene; vgl. griech. "tersaino" u. lat. "torrere"=dörren, trocknen; s. Stowasser!)
torrere, eo, torrui, tostus; davon kommt unser "Toast"!
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The one and only SIR
Samstag, 23. Februar 2013
XANTEN (4): DIE RÖMISCHE WACHT AM RHEIN: COLONIA ULPIA TRAIANA
Nach der Niederbrennung ihres Dorfes, bauten es die CUGERNER wieder auf (Periode 4; Abflußgraben; abgedeckter Ziegelkanal; Hafenkai; Zeitraum: etwa um 80 n.). Doch auch diese Siedlung brannte nieder (das war nach 90 n.) Die leidgeprüften CUGERNER ließen sich aber nicht unterkriegen und bauten ihr Dorf erneut auf (5. Periode).
Zwischen 98 und 107 n.: Verleihung der Stadtrechte durch TRAJAN; enorme Bautätigkeit, Planung einer COLONIA nach dem üblichen Schema; vermutlich weiterer Hafen beim Dorf Lüttingen; Fund des "Lüttinger Knaben" (Bronzefigur);Fund einer Schauplatte mit Bild der Minerva; Beschlag eines röm. Schiffes.
Wahrscheinlich war die Stadt, die sich nun entwickelte, eine VETERANENSIEDLUNG.
Erwähnungen der CUT: Ptolemaios, Itinerarium Antoninianum, Tabula Peutingeriana.
Terminus post quem für die Gründung: 98 n.
Terminus ad quem (nach R. Egger): Abzug der LEGIO X GEMINA nach Pannonien; Grabstein eines Soldaten dieser Legion (bereits Bürger der CUT); Abzug der Legion nach Ritterling: um 103 n.
Inschriften der Legion aus dem Brohltal: die Legio befindet sich im Winter 101/ 2 noch in Germanien; spätestens 105 n. in Aquencum.
Conclusio: spätestes Datum für die Rekrutierung des L. VALERIUS PAP. VERINUS TRAIANA und die Gründung der Stadt: 105 n.
Grabsteine mit Symbolen wie Meßstock, Winkel, Lot und Zirkel deuten auf die Tätigkeit von Städteplanern und Baumeistern hin. Ein wichtiges Arbeitsgerät war die "groma" (Lotung; rechte Winkel herstellen).
Fundamentales Werk über Architektur: MARCUS VITRUVIUS POLLIO: ZEHN BÜCHER ÜBER ARCHITEKTUR.
Weitere wichtige Arbeitsmittel der Vermessung: der Chorobat (eine Art Wasserwage).
Dazu THEODOR MOMMSEN: "Die Kunst des Messens unterwirft dem Menschen die Welt."
Die CUT wurde als Quadrat angelegt (Seitenlänge: ca. 930 m) mit zwei großen Straßen, die sich kreuzen: CARDO MAXIMUS (Nord-Süd-Achse; 16 m breit) und DECUMANUS MAXIMUS (West-Ost; 11 m breit); die übrige Stadt: in Quadrate unterteilt; Stadttore an den Ausgangspunkten der beiden Achsen nach allen vier Richtungen.
Gesamtgebiet: 83 Hektar.
Die Siedlung der CUGERNER mußte dem Fortschritt weichen.
Da es nicht genug Steine gab, mußten sie herangeschafft werden (Eifel, Brohltal, Drachenfels; heute noch Schneisen sichtbar, wo die Steine heruntergeschafft wurden).
Kalk kam aus der Eifel: Inschriften der LEGIO XXX aus dem Jahr 225 n. und der LEGIO I-Gefäß-und Scherbenfunde-Weihestein eines MAGISTER CALCARIARUM (das heißt nicht etwa "Meister oder Herr der Verkalkten", sondern Chef der Kalkbrennereien!).-
Der Text lautet: "Der Minerva geweiht. TITUS AURELIUS EXORATUS, Soldat der 30. LEGION, der siegreichen ULPIA, erfüllt als Meister der Kalkbrennerei gern sein Gelübde, weil die Göttin es verdient hat."
Der Job war bestimmt nicht so angenehm. Als Magister der Schnapsbrennerei wäre es gewiß lustiger gewesen! Aber man kann ja nicht alles haben im Leben.
Leise rieselt der Kalk!
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LIT: W. BÖCKING: DIE RÖMER AM NIEDERRHEIN UND NORDDEUTSCHLAND
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The SIR
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