Sonntag, 23. Februar 2014

ALS DIE RÖMER FRECH GEWORDEN: DER BEGINN


FACTA QUAEDAM

1) 13 und 14 v. Chr: DRUSUS wird Statthalter in Gallien und darf sich mit den SUGAMBRERN herumschlagen.
2) 14 v: Beginn der Feldzüge ins rechtsrheinische Germanien. Gegner: USIPETER, TENCTERER, CHAUKEN, BRUKTERER, CHATTEN, CHERUSKER. Zweck: Sicherung Galliens.
3) 13 v: Spanische Truppen werden vermutlich an den Rhein verlegt.
4) 12 v: Die Flotte fährt über die FOSSA DRUSIANA in die Nordsee und in die Weser.
5) 11 v: Feldzüge bis an die Weser. Ausgangsbasis: XANTEN.
6) 10/ 9 v: Feldzüge durch die Wetterau bis zur Elbe. Ausgangsbasis: MAINZ. Auf dem Rückweg stürzt DRUSUS vom Pferd und verstirbt tragisch. In Mainz wurde zu seinen Ehren der sog. EICHELSTEIN (ein Kenotaph) errichtet.
7) Erste Miltäranlagen z.Z. der Feldzüge. Meistens Holz-Erde-Lager (im do-it-youself-Stil) sowie Marschlager (bessere Zeltplätze)
8) DORSTEN-HOLSTERHAUSEN: 9-10 Marschlager. Man fang viele Sandalennägel (2500) sowie Waffenfragmente (50)!
9) OBERADEN: 56 ha, nahe de Lippe, Maßnahme gegen die Sugambrer; 11-8/ 7 v.; Errichtung: Spätsommer 11 v. gemäß dendrochronologischer Untersuchungen; s. auch CASSIUS DIO: 54, 33, 4.
10) Lager in Hessen: RÖDGEN in der Nähe von Bad Nauheim; auf Anhöhe über dem kleinen Fluß Wetter; etwa 10 v. gebaut.
11) Keltische Höhensiedlung=oppidum (Kreis Gießen); 2.-1. Jh. v. (Spätlatènezeit). Wurde vermutlich 10/ 9 v. von den Römern zerstört. Funde elbgermanischer Waffen! Vermischung germ. und kelt, Elemente.
12) Siedlung NIEDERWEIMAR: ungefähr 70 v.-40 n. Ebenfalls Vermischung. Kontakte zu den Römern nachweisbar.
13) WALDGIRMES: wurde zum röm. Zentrum in dieser Region.
14) KASSEL-HEDEMÜNDEN (bei Kassel): Ringwall "Hüneburg"; röm. Funde (Münzen, Waffen); nach GROTE ein Standlager; außerdem: ein Marschlager.
15) Rampe, wohl kleiner Posten, 5 km davon entfernt; Sandalennägel, Riemenschnalle (von Schienenpanzer).
16) Kufunger Wald (1, 5 km Richtung Südwesten); Sandalennägel, Legionärsdolch
17) Weiterer Aßenposten: Ringwall "Kring"
18) 8/ 7 v: Abschluß der Offensive durch TIBERIUS.
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Quelle: Gnther Mossbauer: Die Varusschlacht
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Centurio

Sonntag, 9. Februar 2014

CHRONOLOGIA VINDOLANDAE SECUNDUM ERIC BIRLEY

1) Erste Festungsanlagen (Flavierzeit oder Zeit Trajans; vielleicht schon aus der Zeit des Agricola): Es gilt als gesichert, daß diese ab den 90er Jahren in Funktion waren.
2) WALLPERIODE I a: 125-163 n: keine Besiedlungsspuren in der Anfangsphase des Walls.
3) WALLPERIODE I b: 163-197 n: Um 163 wird eine neue Festung gebaut (Inschriften); Zerstörung (196/7 n.).
4) WALLPERIODE II: 200-297 n: Die 4. GALLIERKOHORTE baut die Festung wieder auf (Anf. 3. Jh.); erneute Zerstörung Ende 3. Jh.
5) WALLPERIODE III: 300-367 n: Erneuter Wiederaufbau (Anf. 4. Jh.); bis 367 n. dauerhaft besetzt.
6) 369- 400 n: Reparaturen; neue Gebäude ab 367 n.; der Posten wurde nach 400 n. aufgegeben. Ende.
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nach: ROBIN BIRLEY: VINDOLANDA.
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Praefectus

Montag, 27. Januar 2014

DER "MULIO": DAS ÄRMSTE SCHWEIN DER TRUPPE!

Jede "centuria" hatte eine Sollstärke von ca. 80 Mann und bestand aus 10 "contubernia" (Zeltgemeinschaften) zu je 8 Mann. Der Chef war der "centurio". Unterchef war ein "optio", der gleichzeitig sein Vertreter war.
Jedes "contubernium" verfügte über ein Lederzelt, 1 Handmühle, 1 Maultier für das Gepäck (und bestimmt auch über einen anständigen Bier-und Weinvorrat).
Zuständig für das Maultier war der MULIO, der nicht zur kämpfenden Truppe gehörte. Das Maultier meines Wissens auch nicht. Er war so etwas wie der A. vom Dienst und wurde gewiß oft diskriminiert. Doch jede Truppe hat ihren Soldat Schwejk und vielleicht war ja auch der MULIO in Wirklichkeit der Klügere, da er sich aus den ewigen Kämpfen heraushielt.
Vielleicht war er ja auch nur von der Menschheit (besonders von seinen Vorgesetzten) enttäuscht und hatte einen besseren Draht zu Tieren.
Optio: Ubi est mulio noster, iste homo?
Legionarius: Cum mulo colloquitur. Credo istum delirare.
Quelle: Günther Moosbauer: Die Varusschlacht.
(Alle Schüler, die nicht reüssieren, haben immer noch die Möglichkeit "muliones" zu werden (geringe geistige Voraussetzungen und Anforderungen). Sie fänden da sicher ein ihnen gemäßes Betätigungsfeld. Außerdem viel frische Luft und Umgang mit netten Maultieren. Denkt darüber nach!
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Have a nice day!
R.

Donnerstag, 9. Januar 2014

DER LIMES IM 4. JH. N.CHR.

KAISER DIOKLETIAN (284-305 n.): Dieser Kaiser errichtete neue Kastelle, hob neue Truppen aus und schuf die Provinz MAXIMA SEQUANORUM. So entstand z.B. das Kastell VITUDURUM (Oberwintherthur) 294. n. (s. Bauinschrift).
Unter DIOKLETIAN wurde das Reich von Grund auf neu organisiert: Es gab nun zwei "AUGUSTI", einen für den Osten und einen für den Westen. Daneben gab es zwei "CAESARES" (Unterkaiser). Diese Herrschaftsform wurde auch TETRARCHIE genannt. In dieser Zeit fungierten DIOKLETIAN und MAXIMIANUS als "AUGUSTI" und GALERIUS und CONSTANTIUS als "CAESARES".
An der germanischen Grenze entstanden weitere Militäranlagen: CAELIUS MONS=Kellmünz und PARRODUNUM=Burgheim
KAISER VALENTINIAN I. (364-375 n.): Er sorgte u.a. für den Ausbau der Donau-Iller-Rhein-Grenze.
Zu dieser Zeit hatten sich die Verhältnisse am LIMES stark verändert. Dies wird z.B. an EINING (ABUSINA) deutlich. Dort wurde in das Kastell eine kleinere Befestigung eingebaut (vielleicht mußte man ja sparen). In den restlichen Bereich der Anlage zogen die Bewohner des VICUS ein.
Errichtung von Befestigungen am Rhein und anderen Flüssen aus dem LIMESGEBIET: Diese Anlagen wurden BURGI genannt und waren sog. Schiffsländen.
Durch diese umfangreichen Maßnahmen konnte die Grenze bis ins 5. Jh. gehalten werden (m. E. mehr schlecht als recht).
In der VITA SEVERINI des EUGIPPUS lesen wir von der Evakuierung der romanischen Restbevölkerung nach LAURIACUM (Enns-Lorch) und FAVENIS (Mautern). Darin wird, so SCHALLMAYER, von einer rührenden "story" berichtet. Der heilige Mann traf nämlich (als er gerade wieder mal auf Seelenfang war) auf römische Truppen, die anscheinend den Untergang des weströmischen Reiches verschlafen hatten, denn die Soldaten warteten, immer noch auf ihrem Posten treu ausharrend, vergebens auf ihren Sold. Wahrscheinlich hatte man ihnen von höherer Stelle mitgeteilt: Your cheque is in the mail!
Besiedelung des rechtsrheinischen Gebietes: Dabei handelt es sich meist um ALEMANNEN, die alte römische Siedlungen einfach übernehmen (vielleicht weil es dort auch was zu holen gab, wie das Beispiel Groß Gerau zeigt). Die Römer machten aus der Not eine Tugend und erklärten diese Völker ganz einfach und pragmatisch zu "GENTES FOEDERATAE", d.h. sie durften dann die Grenzverteidigung gegen Ihresgleichen übernehmen (wahrscheinlich waren die auch noch stolz auf den job). Ganz ehrenamtlich scheint dies nicht gewesen zu sein, denn es gab reguläre Soldzahlungen aus der Kriegskasse (und bestimmt auch Geschenke in Form von Importware).
Das hielt aber ihre Stammesgenossen, die weiter im Osten siedelten, nicht davon ab, plündernd in Gallien einzufallen.   KAISER IULIANUS APOSTATA (361-363 n.) sah sich deshalb genötigt, einzugreifen (Schlacht von Straßburg; Spätsommer 357).
Weiterhin erfahren wir bei AMMIANUS MARCELLINUS (ca. 330-395 n.), daß die Römer mit Booten auf dem Main nach Osten einen Vorstoß machten und das "MUNIMENTUM TRAIANI" (damit ist wohl der LIMES gemeint) erreichten, das sie wieder in Stand setzten. Diese Befestigung, so AMMIAN, sei in alten Zeiten oft umkämpft gewesen. Die Kastelle wurden sodann mit sog "DEFENSORES" belegt, wahrscheinlich germanische FOEDERATI, was sich archaeologisch auch gut nachweisen läßt. Dies alles, meint AMMIAN etwas naiv, hätte bei den Germanen zu einem "Sinneswandel" geführt.
Ein weiteres Detail ist erwähnenswert: Der Feldzug der Römer (s.o.) führte laut AMMIAN in ein Gebiet namens "CAPPELATIUM und PALAS". "Capellare" bedeutet "abschneiden und "palus" "abgeschnittener Pfahl". Wahrscheinlich verbirgt sich dahinter die (dunkle) Erinnerung an den LIMES, der ja zumindest im obergermanischen Bereich eine Palisade mit Pfählen aufwies. Außerdem gebe es dort alte Grenzsteine, die das Gebiet der Römer von dem der Burgunder scheiden würden. EGON SCHALLMAYER glaubt, daß damit der sog. BAULANDLIMES (Osterburken, Jagsthausen, Öhringen etc.) gemeint sei, wo es schon seit langem Konflikte zwischen Alemannen und Burgundern gegeben habe.
CONCLUSIONES:
1) Der alte LIMES markiert nun die Grenze zwischen römisch-alemannischem Gebiet und nichtalemannischem (wahrscheinlich burgundischem) Gebiet.-
2) Es wäre nicht undenkbar, daß die BURGUNDER an dem Einfall (Raubzug) nach Gallien (s.o.) beteiligt waren. (Dabei sein ist alles!)
3) SCHALLMEYER weist darauf hin, daß der "raid" "über die Köpfe" der ALEMANNEN "hinwegging". Rom betrachtete deshalb die ALEMANNEN vielleicht weniger als FOEDERATI, sondern vielmehr "als Platzhalter der römischen Macht, d. h. als eigene Streitkräfte oder gar immer noch als Provinzialbevölkerung."
4) Die alte LIMESGRENZE war noch im 4. Jh. PROVINZGRENZE.
5) Rom gab zu keiner Zeit seinen Anspruch auf RECHTSRHEINISCHES LIMESGEBIET auf!
Dennoch blieb die Lage an der Grenze unsicher...und der euphorische Ausruf eines fröhlichen Redners "daß alles, was man jenseits des Rheins erblicke, römisch sei" reines Wunschdenken.
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NACH: EGON SCHALLMAYER: DER LIMES, GESCHICHTE EINER GRENZE, C. H. BECK-WISSEN, München 2006, S. 66-73.
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So sei es!
R. (Centurio)


Donnerstag, 26. Dezember 2013

DER "LIMES": ERKLÄRUNG DES BEGRIFFES NACH EGON SCHALLMAYER

a) allgemein:
Der Begriff "LIMES" hat nach E. SCHALLMAYER zunächst etwas mit der "Erschließung eines Raumes und der Einteilung eines Geländes" zu tun. Das Wort setzt sich zusammen aus "limus"=quer und dem Verbalnomen "-it"=gehend (von "ire"). Ein "LIMES" ist ganz allgemein ein "Weg, eine Bahn, die etwas durchquert" (wie z.B. eine Feldflur, einen Wald etc.)
b) in der Landvermessung:
Bei FRONTINUS und HYGINUS (beides Landvermesser) kommt das Wort schon in spezieller Bedeutung als Grenzweg (Flurgrenze) zwischen Grundstücken vor.
c) militärisch:
1) als VORMARSCHWEG
In diesem Sinne ist der "LIMES" eine Bahn (Schneise), die ins Feindesland vorangetrieben wird, um das Gebiet militärisch zu erschließen und um den Truppen die Möglichkeit zu geben, sich zu entfalten und frei zu agieren. E. SCHALLMAYER spricht von "militärbewehrten Straßen". Diese reichen weit ins Feindesland hinein. (Dies dürfte allerdings den Feinden wenig gefallen haben. Dennoch muß die Anlage eines solchen Piste großen Eindruck gemacht haben.)
Im rechtsrheinischen Gebiet z.B. führten diese Wege entlang der Flüsse (Lippe, Lahn, Main). Und bei der Eroberung Britanniens durch CLAUDIUS bzw. durch seinen General AULUS PLAUTIUS war der sog. FOSSEWAY von großer Bedeutung. Dieser vereinigte nun beide Funktionen: Vormarschstraße und Grenze (sog. "Plautianische Limeslinie"). Sie fungierte als Basis für die Eroberung von Wales und des Gebietes der BRIGANTEN (Nordengland).
"LIMITES" spielten eine große Rolle bei der Eroberung der Provinzen. Ohne sie wäre eine Okkupation kaum möglich gewesen. So ließ z.B. TRAIAN (101-106 n.) während der Eroberung Dakiens die vom Legionslager VIMINACIUM nach Nordosten führende Straße für den militärischen Vormarsch ausbauen.
Über den "LIMES" in Germanien gibt eine Stelle bei SEXTUS JULIUS FRONTINUS, "STRATEGEMATA" ("Kriegslisten") Auskunft. FRONTINUS war Kriegsteilnehmer im CHATTENKRIEG. Für das Jahr 83 n. Chr. lesen wir:
"Als die Germanen nach ihrer Gewohnheit aus Waldschluchten und dunklen Verstecken heraus die Römer immer wieder überfielen und dabei einen sicheren Rückzug in die Tiefen des Waldes hatten, ließ Kaiser DOMITIAN mehrere breite Schneisen (limites) 120 Meilen (177, 6 km) in den Wald vortreiben. Er bewirkte dadurch nicht nur eine Veränderung in der Art der Kriegsführung, sondern auch, daß die Feinde, deren Schlupfwinkel er bloßgelegt hatte, sich ihm unterwarfen."
"LIMES" bedeutet hier also "Schneise", die in den Wald geschlagen wird. Die Römer versuchten dadurch für sie bessere Kampfbedingungen zu schaffen und der "Wald-und-Wiesen-Taktik" der CHATTEN zu begegnen, was dann auch, wie man sieht, zum Erfolg führte. Nach SCHALLMAYER beschreibt FRONTIN hier lediglich "eine strategische Maßnahme". Die "LIMITES" sind also Teil der militärischen Angriffsmethoden ("militärische Rollbahn", so E. S.) und noch nicht Provinz-oder Reichsgrenze (defensiv), in welcher Funktion wir den "LIMES" kennen.
2) als PROVINZ-UND REICHSGRENZE:
Der "LIMES" in der Funktion der REICHSGRENZE ist eine sekundäre, spätere Entwicklung (ab AUGUSTUS). Offizielle Bezeichnung: "LIMITES IMPERII ET RIPAE"="Land-und Flußgrenzen", s. auch TACITUS, "AGRICOLA" (98 n. Chr.) und "GERMANIA". In dieser Schrift lesen wir über die Erschließung der "AGRI DECUMATES"="ZEHNTLAND":
"Bald darauf wurden die Grenzschneise (limes) angelegt und die Wachen (praesidia) vorgeschoben; seither gilt das Gebiet als Vorland des Reiches und Teil der Provinz".
Die Anlage einer Grenzschneise hatte also das Ziel, ein Gebiet dem Imperium anzugliedern (einzuverleiben).
In ganz ähnlicher Bedeutung erscheint der Begriff bei AMMIANUS MARCELLINUS (4. Jh.). Hier bezeichnet "LIMES" die Grenzmark bzw. das Grenzgebiet. Die "NOTITIA DIGNITATUM" (ein Militärhandbuch) schließlich nennt militärische Verwaltungsbezirke an der Grenze "LIMITES". Diese werden von "MILITES LIMITANEI ET RIPARENSES" ("Limitan-und Ufertruppen") bewacht.
"LIMES" im Sinne von "REICHSGRENZE" erscheint bei AELIUS SPARTIANUS, LEBENSBESCHREIBUNG KAISER HADRIANS (122 n.):
"Zu jenen Zeiten wie auch sonst öfter trennte er (Hadrian) die vielen Gegenden, in denen die Grenze gegen die Barbaren nicht durch Flüsse, sondern durch künstliche Sperren (limites) gebildet wird, die Barbaren vom Reichsgebiet durch ein System von großen Pfählen, die nach Art eines mauerähnlichen Geheges tief eingerammt und miteinander verbunden wurden."
E. S. spricht an dieser Stelle sogar von einem "Bewußtseinswandel der Römer im Umgang mit den Rändern ihres Imperiums zu Beginn des 2. Jahrhunderts n. Chr." und vom gleichzeitigen "Eingeständnis der Defensive"!
Der "LIMES" war jetzt sozusagen die letzte Grenze, die "outstation", wo das "BARBARICUM" anfing, wo der Soldat einsam Wache schob, wo es zugig und windig war und wo es meistens regnete!
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Quelle: E. SCHALLMAYER: DER LIMES, C. H. Beck Wissen, München 2006, S. 11-16.
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Lang lebe die REICHS-LIMESKOMMISSION!---
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Euer Imperator


Dienstag, 26. November 2013

WIE HIELTEN ES DIE LEGIONARII MIT DER HOLDEN WEIBLICHKEIT?

Offiziell lief nichts, inoffiziell wahrscheinlich eine ganze Menge. Es gab ja die allseits beliebte CAUPONA nach Dienstschluß. Und dort gab es "wine, women and song". Der Wein war schlecht und gepanscht, der Wirt (CAUPO) garantiert schmierig und korrupt, die Frauen, nun ja, nach dem xten Glas nahm man es wohl nicht mehr so genau. Gesungen wurde sicherlich auch, natürlich falsch, mangels Talent und bedingt durch hohe Alkoholzufuhr.
Der römische Berufssoldat mußte unverheiratet sein und bleiben, und zwar eine ganz schön lange Zeit, nämlich 25 lange Dienstjahre! Das hatte seine Gründe: Schon damals wußte man: Frauen stehen beim Kriegspielen nur im Wege. Außerdem: Die römischen Legionen wurden oft verlegt. Welche Frau macht das auf Dauer schon mit? Auch eine Horde schreiender Kinder ist da wenig förderlich. Schließlich wollte man auch verhindern, daß die Soldaten mit den Einheimischen allzusehr fraternisierten, was unweigerlich zu Loyalitätskonflikten geführt hätte. Die Soldaten sollten kämpfen und erobern und nicht Reisebekanntschaften schließen. Letztendlich waren es auch pekuniäre Gründe: Die Versorgung solcher Familien wäre-im Todesfall eines Soldaten- eine zusätzliche Belastung für die Staatskasse gewesen. Also: Kein Rind, kein Kind für den römischen Soldaten. Dem Soldaten mußte der Rücken frei gehalten werden.
Im ersten Jh. änderte sich die Lage. Die Römer schalteten auf Defensive um. Immer mehr feste Standorte wurden eingerichtet. Zivilsiedlungen (VICI; CANABAE) entstanden. Der "militärische Zölibat" wurde gelockert. Nachteil: Die Mobilität der Truppe wurde vermindert. Vorteil: Die Soldaten sorgten für Nachschub, indem sie Söhne zeugten.-Soldatenfamilien waren wichtig für die Romanisierung der Provinzen.-Heiraten konnte der Soldat dann nach seiner "HONESTA MISSIO".
Das Heiratsverbot galt bis in die Zeit des Severus.
Es gab drei Formen des Zusammenlebens:
1.) CONCUBINATUS, eine eheähnliche Beziehung, die geduldet wurde.
2.) MATRIMONIUM EX IURE GENTIUM, die legitime Ehe.
3.) MATRIMONIUM IUSTUM
(Angehörige der AUXILIARVERBÄNDE bekamen bei ihrer HONESTA MISSIO ein MILITÄRDIPLOM. Darin wurde ihnen das CONUBIUM (Eherecht) und das BÜRGERRECHT verliehen. Weiterhin: steuerliche und rechtliche Privilegien, was einen gewissen sozialen Aufstieg ermöglichte. Bei den LEGIONARII ruhte das CONUBIUM während ihrer Dienstzeit lediglich.)
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(Weitere Veränderungen: Immer mehr VETERANEN bekamen Land in den Provinzen zugewiesen. Manche ließen sich auch ausbezahlen (PREAEMIUM MILITARE=3000 Denare). Viele Soldaten hatten auch Geld gespart. Dies gilt nicht für die AUXILIARSOLDATEN. Sie erhielten kein PRAEMIUM. Auch verdienten sie zuwenig, um Geld zu sparen.
Der VETERANUS investierte entweder in einen Bauernhof oder in einen Zulieferbetrieb für die Armee. Es gab sogar VETERANENORGANISATIONEN, die von CURATORES geführt wurden.
Söhne von AUXILIARSOLDATEN konnten in die LEGION aufsteigen.)
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Quelle: MARCUS JUNKELMANN: DIE LEGIONEN DES AUGUSTUS.
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AVE, CAESAR!

Mittwoch, 13. November 2013

TACITUS: AB EXCESSU DIVI AUGUSTI I, 60


RÖMISCHE KRIEGSGESCHICHTE: GERMANIEN (3): TACITUS: AB EXCESSU DIVI AUGUSTI I, 60:

STERTINIUS entdeckte bei seinen Plünderungen den Adler der XIX. LEGION. Diesen hatten die BRUCTERER in der VARUSSCHLACHT erbeutet und sozusagen als Souvenir mit nach Hause genommen. Vielleicht hat ein BRUCTERER zu seinem Sohn gesagt: "Schau mal, was der Papa von der Schlacht mitgebracht hat!" (Wahrscheinlich wurde systematisch nach dem Adler gesucht. Den Adler zu finden, war eine Sache der Ehre.)
Dann wurde das Land an der EMS verwüstet. Die Versorgungsflotte fuhr die EMS hinauf bis zu einer Stelle, wo das heute Lingen ist. (Was wohl Theo Lingen zu den Römern gesagt hätte, wenn es ihn damals schon gegeben hätte. Vielleicht sein berühmtes "Traurig, traurig, traurig!", das er immer als Gymnasialprofessor zu seinen Schülern sagte.))
Wegen der Stromschnellen wurde dann auf Kähne und Flöße umgeladen. Dann ging es weiter bis in die Gegend des heutigen Rheine. Gleichzeitig näherte sich von Südwesten der LEGAT CÄCINA mit dem UNTEREN HEER. Doch hören wir, was TACITUS dazu sagt:
"et ne bellum (und damit der Krieg nicht) mole una ("durch eine einzige Masse"; mit aller Wucht) ingrueret (losbreche), CAECINAM cum quadraginta cohortibus Romanis (den Caecina mit 40 römischen Kohorten) distrahendo hosti ("für den zu trennenden Feind"; um den Feind zu zersplittern; zu zerstreuen; Gerundiv; dativus finalis) per BRUCTEROS ad flumen AMISIAM mittit (schickt(e) er durch das Gebiet der Bukterer zum Fluß Ems), equitem PEDO preafectus (die Reiterei der Präfekt Pedo) finibus FRISIORUM ducit (führt(e) in den Grenzen=im Gebiet der Friesen); ipse (er selbst) inpositas navibus quattuor legiones (die 4 in die Schiffe "hineingestellten" Legionen; svw. die 4 eingeschifften Legionen) per lacus vexit (führte er durch die Seen; brachte er): simulque (und gleichzeitig) pedes eques classis (Fußsoldaten, Reiterei und Flotte) apud praedictam amnem convenere (trafen bei dem vorher genannten Fluß zusammen). CHAUCI cum auxilia pollicerentur (Weil die Chauken Hilfe versprachen), in comilitium adsciti sunt (sind sie in die Kriegskameradschaft; Goldmann: Heeresgemeinschaft; aufgenommen worden). BRUCTEROS sua urentis (Die Brukterer, das Ihre verbrennend; die das Ihre verbrannten ; ihr Land verwüsteten) expedita manu (mit einer leichten Truppe) L. STERTINIUS missu GERMANICI fudit (zerstreute; schlug L. Stertinius im Auftrag von Germanicus (in die Flucht)) interque caedem et praedam (und zwischen dem Morden und der Beute; Plünderung; beim...) repperit undevicesimae legionis aquilam (fand er den Adler der 19. Legion wieder) cum Varo amissam (mit Varus verloren; der mit Vaus verloren gegangen war). Ductum inde agmen (Das Heer wurde von da (hierauf; sodann) geführt) ad ultimos BRUCTEROS (bis zu den entferntesten Brukterern; äußersten; bis in die letzten Winkel von deren Stammesgebiet), quantumque AMISIAM et LUPIAM amnes inter (und wieviel zwischen den Flüssen Ems ud Lippe liegt; alles Land zwischen...) vastatum (wurde verwüstet), haud procul TEUTOBURGIENSI SALTU (nicht weit vom Teutoburger Wald(gebirge) (entfernt)), in quo (in dem; wo) reliquiae VARI  legionumque (die Reste; Überreste; des Varus und der Legionen) insepultae dicebantur ("gesagt wurden", daß sie unbestattet seien; noch unbestattet lagen, wie man sagte; unbeerdigt gewesen sein sollen).---
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So spricht TACITUS!
Der hervorragende Autor TACITUS ist von den (zumeist weniger hervorragenden) Schülern der 11. Klasse zu bewältigen. Wer dies nicht versteht, hat auf einer höheren Schulform nichts verloren (und sollte besser Maler und Tüncher werden).
An Autoren wie TACITUS scheiden sich die Geister. TACITUS ist nichts für profane Naturen, wie es sie heute leider (oder vielleicht sogar zum Glück?) zuhauf gibt.
Liebe Haupt-und Sonderschüler! Wenn euch TACITUS zu schwer ist, sucht euch besser im Namen der Wissenschaft eine Lehrstelle.
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Ein wohlgemeinter Rat.
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Sir R (magister militum)